Follow Me.

Die Performance.

Wie viel können wir in anderen Menschen sehen? Und was sehen wir – sie oder uns selbst? Das Projekt geht diesen Fragen der Projektion auf spielerische Weise nach und greift dabei auf Kunsttraditionen von Edgar Allen Poes „The Man of the Crowd“ über das Unsichtbare Theater und Following bis hin zu Antje Vowinckels Automatic Speaking zurück.

Ebenfalls im Werkzyklus FOLLOW ME, ist die gleichnamige 8-Kanal-Installation entstanden.

Für FOLLOW ME – THE PERFORMANCE macht sich La Pesch mit drei Performer*innen im öffentlichen Raum auf die Suche nach Antworten (Phasen siehe unten). Die Performer*innen folgen unbekannten Menschen und sich selbst auf der Straße. Dabei äußern sie all ihre Wahrnehmungen unmittelbar und entwickeln aus ihren Beobachtungen Geschichten über die Menschen, denen sie folgen. Ihre Stimmen nehmen auch das Publikum mit. Was macht die Verfolgung anderer mit uns selbst? Was löst das tägliche Projektionsspiel aus? Die Bewusstseinsströme der Performer*innen werden von La Pesch live gemischt. Sie begleitet, ergänzt und kontrastiert diese mit einer Live-Komposition aus Field Recordings. Es entsteht ein fragmentarisch-poetisches Verwirr- und Entwirrspiel für die Ohren.

Die Versuchsanordnung etabliert in der analogen Welt, was in der digitalen Welt längst üblich ist – fremden Menschen zu folgen, ihren kulinarischen Vorlieben und den Wegen, die sie beschreiten… Ungezwungen wirft das Stück Fragen nach Privatsphäre, Voyeurismus, Grenzziehung und öffentlichem Raum auf. Allgegenwärtig ist die Frage der Projektion und des In-Verbindung-Tretens mit sich selbst durch den Blick auf andere Menschen.

Fotos: Constanze Flamme

FOLLOW ME war als Projekt für die Phonurgia Nova Awards 2019 nominiert und mit der Master Class „La Radio Performée“ von Alessandro Bosetti geehrt. Eine erste Performance auf english entstand in Arles während der Master Class mit Fanny Duj, Audrey Houdart, Elen Huynh und Lauriane Houbey. Das Projekt wurde weiter mit der Hörspielförderung der Film- und Medienstiftung NRW unterstützt und während der Field Kitchen AcademyThe Curious Loop – in Zusammenarbeit mit Hans Peter Kuhn, Charlotte Colmant, James Wood, Emilie Wright und Rava Vavàra zu einer 8-Kanal-Installation weiter entwickelt. Die Weiterentwicklung der Performance und die deutsche Version wurde mit einem Arbeitsstipendium der GVL im Rahmen von Neustart Kultur und unterstützt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Schließlich wurde sie während der Die Hörspieltage im Literaturhaus Niederösterreich präsentiert und mit dem Feedback der Kolleg*innen verbessert. Die Premiere der deutschen Version der Performance wird während des Sonohr Festival 2022 geschehen. Dank geht an all die Menschen und Institutionen, die das Projekt mit ihrem Zutun bereichert haben.

Deutsche Version

Konzept, Komposition, Live-Mix

La Pesch

Stimmen

Gwen Kyrg, August Geyler, Laura Wasniewski, Carina Pesch

Uraufführung

Sonohr Festival, Bern 2022

Englische Version

Konzept, Komposition

Carina Pesch

Stimmen

Lauriane Houbey, Fanny Dujardin, Elen Huynh, Audrey Houdart

Fotos

Marc Jacquin

Produktion

Eigenproduktion 2020

Uraufführung

Phonurgia Nova, Arles 2020

Prolog

La Pesch tritt vor das Publikum. Mit der von Antje Vowinckel erfundenen und von La Pesch weiterentwickelten Stimm-Impro-Technik Automatic Speaking – einer Mischung aus Écriture Automatique und Musique Concrète – gibt sie ihre Wahrnehmung des Augenblicks wieder, beschreibt kurz die Menschen im Publikum und beginnt, anhand ihres Aussehens Vermutungen über sie anzustellen.

Phase 1

Die Stadt und die Stimmen der Performer*innen, die sich in der Nähe im öffentlichen Raum bewegen, werden hörbar. Sie folgen Menschen, beschreiben sie, ihre Handlungen, ihre Bewegungen und entwickeln eine Geschichte über die verfolgte Person. Zwei der Performer*innen folgen Fremden, eine*r folgt innerhalb der Performance-Gruppe. Keiner weiß, wer wem folgt. Das wurde per Los entschieden. Die Performer*innen verwenden ebenfalls das Automatische Sprechen. La Pesch hat diese Technik erweitert, indem sie sie als Ausgangspunkt für die Vorstellungskraft nutzt, statt nur im Ausdruck realer Ereignisse im Hier und Jetzt zu bleiben. Die Stimmen der Performer*innen werden über Mobiltelefone an das Mischpult übertragen, wo La Pesch sie live mit quasi-musikalischen Elementen mischt und über Lautsprecher zum Publikum sendet. Das Publikum kann die Umgebung beobachten, sich fragen, wessen Stimmen es hört, während es den fragmentierten Wahrnehmungen und Gedanken folgt.

Phase 2

Die Klingeltöne von drei Timern lassen die Performer*innen wissen, dass es Zeit ist, zurückzukehren. Sie nutzen den Weg zum Publikum, um ihre zuvor gemachten Beobachtungen, ihre Fantasien und Geschichten zu reflektieren. Wie haben sie sich bei dieser Erfahrung gefühlt? Welche Themen klangen an?

Phase 3

Sobald die Performer*innen die Bühne betreten, versammeln sie sich um ein Mikrofon in der Mitte des Raumes. Nun sprechen sie als ein Ich und rekreieren die Erfahrung gemeinsam als kollektive Revue. Ein*e Performer*in beginnt einen Satz, lässt ihn unvollständig, und ein*e andere*r setzt den Satz fort. Sie sprechen alle über die gleiche Erfahrung, aber aus einem anderen Blickwinkel, was die Ambivalenz und Vielfalt von Wahrnehmung offenbart.

Das Prinzip

Alle drei Phasen basieren auf der Idee jener Bücher, in denen ein Satz quer über eine Seite geschrieben steht, die aber in Teile zerschnitten ist. Jeder dieser Teile kann separat umgeblättert werden. Wenn man eine dieser fragmentierten Seiten umblättert, ändert sich die Bedeutung des Satzes, ergibt aber immer noch Sinn.

Unterstützung / Förderung

Hörspielförderung