Follow Me.

Die Performance.

FOLLOW ME wollte eigentlich ein HörSpiel werden, wurde dann aber zunächst eine kollektive Performance. HörSpiel und Performance folgen beide der Frage, wieviel wir in Fremden sehen können. Das Projekt erkundet das Feld spielerisch, während es von künstlerischen Traditionen von Edgar Allen Poes „The Man of the Crowd“ über Following hinzu Antje Vowinckels Automatischem Sprechen inspiriert ist.

Vier Performerinnen folgen Menschen auf der Straße. Währenddessen drücken sie alles, was sie wahrnehmen, unmittelbar stimmlich aus und entwickeln auf Grundlage ihrer Beobachtungen eine Geschichte über die Menschen, denen sie folgen. Dazu wird die Stimmimprovisation Automatisches Sprechen genutzt. Über Telefone gelangen die Stimmen aus dem öffentlichen Raum zum Mischpult, wo sie live gemischt werden und zum Publikum gelangen.

Die Versuchsanordnung setzt in der analogen Welt um, was in der digitalen längst üblich ist – fremden Menschen zu folgen, ihren kulinarischen Vorlieben und den Wegen, die sie beschreiten… Ungezwungen stellt das Stück Fragen nach Privatsphäre, Voyeurismus, Grenzziehungen und dem öffentlichen Raum. Allgegenwärtig ist die Frage der Projektion und des In-Verbindung-Tretens mit sich selbst durch den Blick auf andere Menschen.

Die Performance entstand während der Master Class „La Radio Performée“ mit Alessandro Bosetti bei Phonurgia Nova in Arles, Frankreich. Im Gegensatz zu dem HörSpiel bleibt die Performance auf der Projektionsebene und reflektiert diesen Prozess. Sie ist für vier Stimmen, eine Mixerin und ein Publikum vor Lautsprechern. Sie besteht aus drei Phasen.

Konzept, Komposition

Carina Pesch

Stimmen

Lauriane Houbey, Fanny Dujardin, Elen Huynh, Audrey Houdart

Fotos

Constanze Flamme, Marc Jacquin

Produktion

Eigenproduktion 2020

Kontext

Phonurgia Nova, Alessandro Bosetti

Phase 1

Während der ersten Phase folgen die Performerinnen Menschen im öffentlichen Raum, beschreiben sie, ihre Handlungen, Wege und entwickeln daraus Geschichten über die Gefolgten. Zwei der Performerinnen folgen Fremden, zwei folgen einer anderen Performerin. Keine weiß von der anderen, wer wem folgt.

Phase 2

Die zweite Phase besteht aus dem Weg zum Publikum, auf dem die Performerinnen ihre Beobachtungen, Vorstellungen und Geschichten reflektieren.

Phase 3

Die Performerinnen erreichen das Publikum und versammeln sich um ein Mikrofon in der Mitte des Raumes. Jetzt sprechen sie als ein Ich und lassen das Erlebte revue passieren. Eine Performerin beginnt einen Satz, lässt ihn unvollendet und eine andere Performerin führt ihn fort. Sie sprechen alle über die gleiche Erfahrung aber aus anderer Perspektive. So offenbaren sie die Mehrdeutigkeit und Vielfalt des Lebens.

Das Prinzip

Alle drei Phasen setzen die Idee, die diesen Umblätter-Büchern zugrunde liegt, auf andere Art und Weise um. Die Bücher, in denen ein Satz quer über eine Seite geschrieben steht. Jede Seite ist in drei Teile zerteilt. Jeder der drei Teil kann einzeln umgeblättert werden. Blättert man ein Seitenfragment um, ändert sich die Bedeutung des Satzes. Er ergibt jedoch nach wie vor einen Sinn.