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Verfolgungen zwischen Fiktion und Wirklichkeit.

Wie viel können wir in fremden Menschen sehen? Und was sehen wir da? Das experimentelle Hörspiel sucht nach Antworten. Die Autorin folgt willkürlich Menschen im öffentlichen Raum, beschreibt deren Weg, ihr Verhalten, was sie wahrnimmt und spinnt aus ihren Beobachtungen Geschichten über die Menschen, denen sie folgt. Dabei stellt sich immer auch die Frage: Über wen sagt das etwas aus?

„Ich gehe, ich gehe…
ich sehe, ich sehe…“

Automatic Speaking

Sie bedient sich dabei künstlerischer Traditionen von Edgar Allan Poe bis Antje Vowinckel, vom flanierenden Following zum Automatic Speaking. Dabei trägt sie ein unauffälliges Ansteck-Mikrofon und Aufnahmegerät in der Tasche, mit denen sie die Verfolgung lückenlos aufzeichnet. Für die Beschreibungen nutzt sie die Methode des Automatic Speaking nach Antje Vowinckel – eine Sprachimprovisation des pausenlosen Sprechens, die alles ungefiltert ausdrückt, was zu Bewusstsein kommt. Durch diese Methode und das unmittelbare Sprechen beim Gehen entsteht akustisches Material mit einem spezifischen Rhythmus. Die Methode wird insofern erweitert, als dass sie als Ausgangspunkt für die eigene Fantasie dient, anstatt in reinen Beschreibungen des realen Geschehens, im Hier und Jetzt zu bleiben – wie von der Erfinderin intendiert. Sobald die Autorin glaubt, die Geschichte oder die Verfolgung gerät in eine Sackgasse, tritt sie auf die verfolgte Person zu und bittet um die wahre Geschichte.

Das Stück wirft spielerisch Fragen zu Privatsphäre, Voyeurismus, Grenzziehungen und Projektionen auf. In Anlehnung an Edgar Allan Poes „Man of the Crowd“ geht es dabei immer auch um die Begegnung mit dem Eigenen im Fremden. Und im digitalen Zeitalter überträgt die Versuchsanordnung in die analoge Welt, was im digitalen Raum alltäglich ist: Profilen zu folgen – vom Morgenkaffee in Lieblingstasse zum Business Lunch im In-Lokal zu Omas 90. Geburtstag.


Gefördert mit dem Hörspielstipendium der Film- und Medienstiftung NRW.


Nominiert für den Prix Phonurgia Nova 2019. Geehrt mit einer Master Class bei Alessandro Bosetti.


Bereits als live Performance erprobt.


Konzept / Realisation

Carina Pesch

Produktion

Eigenproduktion 2020 (?)

Bisher gibt es nur einen Testlauf: