Entwicklungshilfe bei Freunden

Martin Kämpchen lebt und hilft seit über 25 Jahren in Indien

Indien ist das Land der Aussteiger und Gurus. Doch nicht alle, die nach Indien reisen, folgen diesem Trend. Der Schriftsteller, Journalist, Übersetzer und Religionswissenschaftler Martin Kämpchen engagiert sich seit 25 Jahren als Entwicklungshelfer im Nordwesten Indiens. In den Dörfern Ghosaldanga und Bishnubati, in denen Kämpchen hilft, wohnen Angehörige der Santal (gesprochen: Shantal) – eines der größten Ureinwohnervölker Indiens.  Vergangenen Sonntag besuchte der Entwicklungshelfer das Grassimuseum Leipzig mit drei Santal. Es wurde getrommelt, gesungen, Geschichten erzählt – damit die Museumsbesucher einen Einblick in die Kultur der Santal erhielten.

Hören Sie hier das Interview mit Martin Kämpchen über die Besonderheit seiner Entwicklungshilfe.

Anmerkung: Das Interview ist am 25.08.2008 bei mephisto 97.6 gesendet worden.

(Radiobeitrag, Text und Bilder von Carina Pesch)

Freundschaftliche Hilfe

Seit 25 Jahren lebt, lehrt und arbeitet Martin Kämpchen im Nordwesten Indiens. Seine spezielle Art der Entwicklungshilfe nennt Kämpchen „alternativ”.  Von herkömmlichen Entwicklungsprojekten unterscheidet sich seines vor allem durch eine tiefe Freundschaft zu den Dorfbewohnern.  Das gemeinsame Gestalten stehe immer im Vordergrund: Er sei nicht mit fertigen Entwicklungsprojekten zu den Santal gekommen, betont Kämpchen. Er habe zwei Santal während des Studiums kennengelernt und mit den beiden gemeinsam begonnen, Projekte aufzubauen. So hat Kämpchen zusammen mit den Bewohnern der Dörfer Ghosaldanga und Bishnubati Kindergärten, Schulen und andere Fortbildungsmöglichkeiten organisiert. Außerdem fördert er die Kultur und den Lebensstil der Santal. Hören Sie hier Musik der Santal (mit Flöte) oderohne Flöte. (Den Text des ersten Musikstückes finden Sie hier)

Ausflüge in die weite Welt, wie der Besuch in Leipzig, gehören für Martin Kämpchen genauso zur Entwicklungshilfe wie Bildung zu fördern. Er möchte seine Freunde in der Welt heimisch machen und ihnen ermöglichen diese Erfahrungen in ihre Arbeit zu Hause einzubauen.  Wichtig seien diese Ausflüge auch, um den Santal Anerkennung zu vermitteln. Denn Anerkennung und Prestige sind  den Urvölkern in Indien schwerzugänglich, wenn sie ihre traditionelle Lebensweise pflegen. Am Sonntag ermöglichte der indische Besuch den Gästen des Grassimuseum  darüber hinaus einen spannenden Einblick in ihre Kultur. Die Gäste lauschten gebannt den Schöpfungsmythen und Trommelklängen der Santal. Genau das, so Kämpchen, sei sehr wichtig, um die Santal stolz auf ihre eigene Kultur zu machen.

Informationen über die Projekte unter www.dorfentwicklung-indien.de, Homepage von Entwicklungshelfer Martin Kämpchen: http://www.martin-kaempchen.com/doerfer.htm

Martin Kämpchen und seine indischen Freunde erzählen die Schöpfungsgeschichte der Santal: